WIEDERAUFNAHME | 6. Dezember 2008
buddenbrooks
Schauspiel von John von Düffel nach dem Roman von Thomas Mann
Regie: Hermann Schmidt-Rahmer
Eingeladen zum Theatertreffen NRW 08
Reich sind sie, die Kinder der Kaufmannsfamilie Buddenbrook, aber es lastet auch ein Credo auf ihnen, das von Kindheit an eingeimpft wurde: die Familie ist die Firma und die Firma ist die Familie. Gleich zu Beginn des Stückes wird das Vermögen bilanziert, und dann wieder und wieder. Ob Beerdigung, Verlöbnis, Berufswahl, alles ordnet die Familie diesen Zahlen unter, und so gerät jede familiäre Entscheidung zur geschäftlichen Transaktion. Die lebenslustige Tony wird an den betrügerischen Bankrotteur Grünlich verheiratet, ihr hypochondrischer Bruder Christian mit Neigung zum Bohémien wird gezwungen, in die Firma einzutreten. Schritt für Schritt zeigen sich die seelischen Beschädigungen der Geschwister, und Thomas schließlich, der älteste, der sich selbst dazu zwingt, die Rolle des rücksichtslosen Familienoberhauptes zu übernehmen, scheitert an dieser Aufgabe. Unaufhaltsam wie das riesige Vermögen verfallen auch die Kinder der Familie Buddenbrook und räumen das Feld für eine härtere Gesellschaft.
Thomas Manns „Buddenbrooks“ ist ein Jahrhundertroman, der in grandioser Schärfe die Krankheit des kapitalistischen Jahrhunderts in seiner Wurzel diagnostiziert: das Diktat der Ökonomie. Dem renommierten Dramatiker und Romancier John von Düffel gelingt ein Kunststück: Er verdichtet den ungeheuren Stoff auf das Schicksal weniger Personen und schafft damit ein eigenständiges und höchst bühnenwirksames Theaterstück, das doch den Geist von Thomas Mann atmet.
Wiederaufnahme: 06.12.2008
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